Münchener Zentrum für Lehrerbildung
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Ein Lehr- und Lernabenteuer in Kanada

Gastbeitrag von Yeshe Hoffmann

01.09.2022

Ich war in Kanada! Und es ist immer noch besonders, immer noch fantastisch. Mir hat diese Austauschgelegenheit über LMUexchange sehr viel bedeutet und ich bin jetzt noch froh, dass es geklappt hat. Es war mein großes Abenteuer.

Worum geht es dir bei deinem Auslandsaufenthalt und was möchtest du erleben? Ich würde sagen, mach es von deinen Interessen abhängig! Viele Aspekte einer Auslandserfahrung sind nicht an einen spezifischen Ort geknüpft.

Lehrerfahrung als Teaching Assistant für Deutsch in Alberta

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Ich kam nach meiner erfolgreichen Bewerbung in den Genuss, Teaching Assistant (TA) an der University of Alberta sein zu dürfen. Im winter term hatte ich die fortgeschrittenen Studis im dritten Jahr, im fall term Studis im zweiten Jahr. Die Seminare (1x/Woche, 50 min, 6-10 Studis, 2-3 Gruppen/Woche) bilden eine Ergänzung zum regulären Sprachunterricht. Das Ziel ist die Sprache aktiv zu gebrauchen, auch spielerisch – fluency over accuracy, wie wir sagen. Möglichst viel ratschen in dieser kurzen Zeit die zur Verfügung steht. Das geht mit Spielen Diskussionen, Debatten, Interviews und anderen Formaten. (Abbild 1: Das Whiteboard - dein ständiger, gestalterischer Begleiter für ulkige Doodles, Vokabeln, Spiele oder Grafiken!)

In meinen Stunden habe ich nach der Begrüßung und der Einführung in das Thema die Rolle des Moderators übernommen. Ich habe die Studis fast immer in Zweierteams eingeteilt, um ihnen einen möglichst hohen Redeanteil zu verschaffen und war dann das wandelnde Lexikon, habe zugehört und in der Diskussion nachgehakt oder die schweigsameren Studis herausgefordert.

Die Gestaltung, die Inhalte, der Leistungsnachweis – fast alle Aspekte dieses Unterrichts waren mir und meiner Gestaltungsfreiheit überlassen, was ich großartig fand! Erstmals war ich fast vollständig alleine für Unterricht verantwortlich und konnte ihn so gestalten, wie ich es für dienlich, gut und richtig hielt. Ich habe viel Zeit auf Vorbereitung und Nachbereitung verwendet. Die große Verantwortung hat mich dazu veranlasst, dieser Aufgabe besonders gewissenhaft nachzukommen. Letzen Endes hat sie mir damit auch sehr viel bedeutet und große Zufriedenheit verschafft.

Eine besondere Idee von mir war es, sämtliche Studis mit echten Deutschen, gerade im Austausch, zu verknüpfen! Für eine Präsentation sollten die Studis sich mit ihren Partnern treffen, ratschen, Notizen machen und dann präsentieren. Das Interesse war auf beiden Seiten groß, da die Deutschen mehr über kanadische Studis erfahren wollten und andersherum – eine prima Gelegenheit für interkulturellen Austausch. In den Vorbereitungsarbeiten und bei den Präsentationen konnte ich bei vielen deutlich erkennen, dass es genau das richtige für sie war, und nebenbei haben sie noch mehr Deutsch gesprochen, außerhalb der Uni. Einige haben sich auch häufiger getroffen und stehen immer noch in Kontakt!

Als Lehramtsstudent für Englisch und Geographie für das Gymnasium im Endstadium konnte ich einiges an didaktischem Wissen und auch ein bisschen Lebenserfahrung mitbringen. Dadurch konnte ich den großen Möglichkeitsspielraum durchaus auskosten. Am Ende wäre ich am liebsten geblieben, hätte
den Unterricht gerne weiterentwickelt und verbessert. Meine Tätigkeit als TA war in jeder Hinsicht motivierend, interessant, lehrreich, hat mir große Freude bereitet und Erfahrung eingebracht.

Gerade wenn du Lehramt studierst, kann ich dir diese Option empfehlen. Insbesondere dann, wenn du dich ein bisschen freier ausprobieren möchtest. Ich empfehle einige Semester Lehramtsstudium Vorerfahrung.

Zur individuellen interkulturellen Erfahrung

Tatsächlich war in dieser Sparte sehr viel zu machen, an allen Orten und jederzeit, mehr als ich ursprünglich angenommen hatte, dachte ich Kanada wäre Deutschland doch so ähnlich. Es gibt dort aber gerade im Kontrast zum eigenen, deutschen Hintergrund viel zu lernen. Ein Punkt von vielen, der auch immer ein beliebtes Gesprächsthema ist, ist die „kanadische Höflichkeit“, die der „deutschen Direktheit“ gegenübersteht. Vorurteile? Vielleicht. Es ist aber meiner Meinung nach schon so, dass der Alltag in Kanada in dieser Hinsicht wesentlich angenehmer ist . Administrativer und organisatorischer Austausch mit Kollegen, Studierenden, Dienstleistern ist höflich und ohne die gewohnte beeilte deutsche Effizienz. Viel leichter gelingt ein Gespräch auch mit Menschen, mit denen man noch nicht bekannt ist, und selten drehen sich Konversationen um die beliebten deutschen Klassiker Wetter, sich über etwas beschweren oder dass es irgendwie irgendwo hapert! Ob auf dem Skilift, auf der Straße oder an der Bushaltestelle: Entspannte, aber spannende, unverbindliche Konversationen entstehen - das habe ich sehr genossen. Gerade nach meiner Rückkehr war der Unterschied deutlich spürbar. Dies und mehr lässt sich erfahren und erfühlen, durch viel Offenheit, Geduld und Bedachtheit.

Mein Auslandsaufenthalt bot mir die Gelegenheit, mich besser kennenzulernen und mich persönlich zu entwickeln. Ich habe bedeutende Freundschaften geschlossen, die das Jahr überdauern. Ich habe außerdem erneut einen neuen Blick für das Wesentliche bekommen.

„Ein ganzes Leben in einem Jahr.“ – eine Freundin

Über das Reisen und die Landschaften

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Kanada ist berühmt für seine weite Natur. Ich möchte empfehlen: Nimm dir während deines Aufenthalts und vielleicht auch danach Zeit, dich in Ruhe umzusehen. Meine Freunde und ich haben häufig die Distanzen mit dem Auto oder dem Bus überwunden, um dann zu Fuß die Landschaften einzusaugen: Die Prärie, die bei Alberta im Westen beginnt und so weit ist, wie du es aus Deutschland nicht kennst, mit einem Himmel der größer ist, als du erahnen kannst! Die Rockies, die überwältigend breit und massiv sind, wo ganze Wälder und Seen Platz in den Tälern finden. Die Küstenlandschaften im Westen, die Urwälder und steinige Heide verbinden. Und dann ist es auch schon nicht mehr so weit nach Kalifornien, wo die Mammutwälder alles überragen, gefolgt von Küstenwäldern mit Douglasfichten. Ständige Gefährten an diesen Orten sind die Wildtiere, die sich doch recht häufig blicken lassen. Nimm dir Zeit, wandere durch diese Landschaften, um sie wirklich zu erfahren und du wirst sie nicht mehr vergessen. (Abbild 2: Emerald Lake im Herbst -> Bären, Lawinenschneisen, Gebirgsschafe, Strauch- und Bartflechten.)

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(Abbild 3 und 4: (links) Wanderung über "Big Lagoon", ein kilometerlanger Kiesstreifen, zwischen dem Pazifik und einer gewaltigen Lagune (Kalifornien). Mittagsblumen! (rechts) Abschluss der Wanderung im GG-Nationalpark. Wiesel, Klapperschlangen, Pelikane, Kolibris und unglaubliche Aussichten über das Meer.)

 

Für mehr Informationen über den Austausch kann ich dir die Veranstaltungen des International Office empfehlen, sowie die Erfahrungsberichte anderer Studierender.

https://www.s-a.uni-muenchen.de/praktikum/praktika_ausland/praktikumsberichte-neu/index.html  

Warum?

Weil ich Lust hatte! Fast ein Jahr woanders leben, eine andere Uni-Mentalität kennenlernen, ein anderes Land, andere Leute, und dazu die Gelegenheit, selbstständig Unterricht zu gestalten und Leute zu verbinden.


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